Der Mensch – ein Gefäss für Gott

Der Mensch ist so angelegt, dass sein Inneres gefüllt werden muss. Das wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Wir können nicht leer bleiben – irgendetwas muss uns ausfüllen. Wenn uns gar nichts ausfüllt, erscheint uns das Leben unerträglich leer und sinnlos. Aus diesem Grunde stürzen wir Menschen uns in alles nur Mögliche, um eine Erfüllung für unser Leben zu finden, sei es im Beruf, in einer Ideologie oder Religion, in Macht, Politik, Reichtum, Wissenschaft, Kunst, Unterhaltung, Sport und Vergnügungen aller Art, Drogen, Alkohol und vielen anderen Dingen. Wie weit dies alles den Menschen wahrhaft glücklich macht, ist natürlich eine andere Frage. Tatsache jedenfalls ist, dass jeder mit etwas gefüllt werden muss, denn wir sind als Gefässe geschaffen.

Der Mensch – ein irdenes Gefäss

Dieser geheimnisvolle Sachverhalt wird nicht nur durch unsere Erfahrung, sondern auch durch Gottes Wort bestätigt: „Ja, lieber Mensch, wer bist du […]? Wird etwa das, was geformt ist, zu dem, der es geformt hat, sagen: Warum hast du mich so gemacht? Oder hat der Töpfer nicht Vollmacht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäss zur Ehre […] zu machen?“ (Römer 9, 20- 21). Der lebendige Gott bezeichnet sich als einen Töpfer, der den Menschen als ein Gefäss geformt hat. Im Schöpfungsbericht lesen wir: „Da bildete Gott, der HERR, den Menschen aus Staub vom Erdboden“ (1. Mose 2, 7). Es ist bemerkenswert, dass hier für das Wort „bildete“ im Hebräischen „yatsar“ steht, ein Wort, das besonders das Formen eines Gefässes in der Hand eines Töpfers zum Ausdruck bringt. Diese Wortwahl ist sicherlich kein Zufall, sondern offenbart wiederum, was der Mensch eigentlich ist: ein Gefäss, das von Anfang an dazu bestimmt war, etwas in sich aufzunehmen. Allerdings kommt es darauf an, was der Mensch in sich aufnimmt, um sich zu füllen.

Der Schatz in irdenen Gefässen

Was war Gottes Absicht? Womit wollte er uns füllen? Die Antwort auf diese Frage ist so entscheidend, dass es leichtsinnig wäre, einfach darüber hinwegzugehen und sie nicht zu beachten. In Gottes Wort lesen wir, dass Gott an den Gefässen der Barmherzigkeit den Reichtum seiner Herrlichkeit zeigen möchte (Römer 9, 23). Der Kolosserbrief spricht von Gottes „Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war“, und von dem „Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses, welches ist: Christus in euch […]“ (Kolosser 1, 26-27). Diese beiden Schriftstellen zeigen uns, was der Reichtum und Inhalt ist, mit dem Gott uns als Gefässe füllen will. Der für uns bestimmte Inhalt ist eine wunderbare Person: Jesus Christus! Er selbst ist der „Schatz in irdenen Gefässen“ (2. Korinther 4, 7), der allerkostbarste Inhalt, den es geben kann. Einzig für diesen Inhalt sind wir von Gott geschaffen worden! Er, Jesus Christus, ist Gott selbst. „In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht“ (Kolosser 2, 9-10). Gottes sehnlichster Wunsch ist es, uns mit sich selbst zu füllen. Er möchte sich uns geben, mit allem, was er ist und hat. Haben nicht alle Menschen in ihrem Innersten einen Durst nach wahrer Erfüllung? Doch nichts anderes als Gott selbst kann diesen Durst stillen.

Die Welt und die Religion können unseren Durst nicht stillen. Einmal, am letzten Tag eines grossen Festes, trat Jesus auf und rief: „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke!“ (Johannes 7, 37). So wie damals versuchen auch heute die Menschen vergeblich, durch alle möglichen „Feste“ ihren inneren Durst zu stillen, weil sie nicht erkennen, was sie in Wirklichkeit brauchen. Jesu Aufruf ist in unserer Zeit nicht weniger aktuell als damals: „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke!“ Weder die uns umgebende Welt mit allem, was sie zu bieten hat, noch irgendeine religiöse Aktivität können den Menschen zufrieden machen. Jesus sagt: „Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird gewiss in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4, 13-14). Wir probieren vieles und gehen von einer Quelle zur anderen. Am Anfang scheint manches gut zu schmecken, ja sogar zufrieden zu stellen. Aber das hält nicht lange an. Der Durst kommt einfach immer wieder. So muss der Mensch schliesslich erkennen: Nichts vermag meinen Durst wirklich zu stillen. Nur eine einzige Quelle, nur Gott selbst, reicht aus.

Die Reinigung des Gefässes

Ursprünglich hatte Gott sich den Menschen als ein Gefäss zur Ehre geschaffen, das er mit sich selber füllen wollte, damit er durch den Menschen zum Ausdruck gebracht werden konnte. Aber der Mensch wandte sich gegen Gott und wurde nicht nur ein Gefäss zur Unehre, sondern sogar ein Gefäss des Zornes, zubereitet zum Verderben (Römer 9, 22). Gott aber hat von seinem Vorsatz nicht abgelassen. Er „erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Römer 5, 8). Das am Kreuz für uns vergossene Blut Jesu Christi kann uns von aller Sünde, ja sogar von unserer Vergangenheit reinigen: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt.“ (1. Johannes 1, 9). Wenn jemand ein verschmutztes Gefäss gebrauchen will, ist es selbstverständlich, dass er es vorher reinigt. Das tut auch Gott. Er erlöst uns, damit wir als gereinigte Gefässe den Reichtum der Herrlichkeit Gottes aufnehmen können.

Das Füllen des Gefässes

Auf welchem Wege gelangt nun dieser Schatz in uns hinein? Jesus sagte einmal: „Denn aus der Fälle des Herzens redet der Mund. Der gute Mensch bringt Gutes aus dem guten Schatz hervor, und der böse Mensch bringt Böses aus dem bösen Schatz hervor.“ (Matthäus 12, 34-35). Unser Herz ist das eigentliche Gefäss für den Schatz, und unser Mund ist die Öffnung dieses Gefässes. Was in unserem Herzen ist, kommt aus unserem Mund heraus, und umgekehrt gelangt auch vieles durch den Mund in unser Herz hinein. Unser Mund ist sowohl der Eingang als auch der Ausgang unseres Herzens. Im zehnten Kapitel des Römerbriefes heisst es: „Denn wenn du mit deinem Mund bekennst Jesus, dass er der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ (Römer 10, 9). „Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche; denn es ist derselbe Herr über alle, reich für alle, die ihn anrufen. Denn wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“ (Römer 10, 12-13). Hier sehen wir wieder die Verbindung zwischen Herz und Mund. Mit dem Herzen glauben wir, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Sobald wir ihn nur mit unserem Munde anrufen und so in unser glaubendes Herz aufnehmen, fällt er uns auch mit sich selbst. Er wurde ja in der Auferstehung zum Geist, um als der kostbarste Inhalt und als der grösste Schatz in uns hineinzukommen. Die Schrift sagt, wir sollen mit dem Herzen glauben und mit dem Munde bekennen, und sie betont ausdrücklich, dass der Herr denen zum Reichtum wird, die ihn anrufen, wobei das hier im Griechischen verwendete Wort „epikaleo“ sogar ein lautes Herausrufen bezeichnet.

Inwiefern ist aber nun der Herr reich für uns? Worin besteht dieser Reichtum? Besonders das Johannesevangelium offenbart eine Fülle dessen, was Christus für uns sein möchte. Christus selbst ist der Reichtum, der uns alles sein will, was immer wir nur brauchen, und sein Name, Jesus, ist kein blosser Name, sondern seine Person selbst. Wir können seinen Reichtum in diesem Namen erfahren, sooft wir ihn anrufen! Herr Jesus! Aus eben diesem Grund sagte schon David: „Darum will ich ihn mein Leben lang anrufen“ (Psalm 116, 2). Was machte die ersten Christen zu Menschen voll des Geistes, voll der Wirklichkeit des auferstandenen Christus? Sie liebten den Herrn und riefen daher seinen Namen an (Apostelgeschichte 9, 21) und haben dadurch den Reichtum der Herrlichkeit Gottes in sich erfahren. Es geht Gott nicht um eine religiöse Lehre, sondern um eine wunderbare Person, um Jesus Christus! Durch ihn empfangen wir den lebendigen Gott. Es ist wahrhaftig Herrlichkeit, dass der Töpfer, der allmächtige Gott, sich selbst zum Inhalt seiner Gefässe gemacht hat. Wenn er noch nicht in dir ist, dann bitte ihn, dass er jetzt in dich hineinkommt. Wenn er schon in dir ist, dann lass ihn dich ganz füllen. Glaube an ihn mit deinem Herzen und rufe ihn an mit deinem Mund.  J. S.